Brauchen wir bald keine Displays mehr?

Apples bahnbrechende AR-Brille Vision Pro könnte die Technologiewelt und den Zugriff von Menschen auf digitale Dienste revolutionieren. Monitore könnten überflüssig werden und das räumliche Computing zum Standard. Doch das Gerät kostet tausende Euro.

Futuristische Interfaces aus Science-Fiction-Filmen wie Minority Report galten lange Zeit als Zukunftsmusik. Doch Apple bringt das räumliche Computing mit dem Launch der Vision Pro Glasses in den Alltag der Menschen der 2020er Jahre. Während das eigene Virtual und Mixed Reality Headset Quest 3 für den Herbst dieses Jahres angekündigt ist, stellt Apple eine Art räumlichen Computer vor, „der nahtlos digitale Inhalte mit der physischen Welt verbindet und den Nutzern erlaubt, präsent und mit anderen verbunden zu bleiben“. Apples CEO Tim Cook ist sich sicher, dass du noch nichts Vergleichbares gesehen hast und läutet das Zeitalter des Spatial Computing ein.

Doch was genau macht das neue Gerät von Apple so revolutionär?

Mit Vision Pro gelangen Nutzer zu einer dreidimensionalen User-Oberfläche, die die Grenzen von Displays, wie wir sie kennen, sprengt. Apple erklärt, dass die Apple Vision Pro mit visionOS, dem ersten räumlichen Betriebssystem der Welt, den Anwendern ermöglicht, mit digitalen Inhalten auf eine Art zu interagieren, die so wirkt, als seien die Inhalte physisch mit ihnen im Raum verbunden. Die Nutzer können Interaktionen mit den Augen, den Händen und der Stimme steuern, ganz intuitiv. Die Erlebnisse finden in Echtzeit vor den Augen der Benutzer statt und sind mit 23 Millionen Pixeln äußerst hoch aufgelöst. Tim Cook betont, dass die Apple Vision Pro auf Jahrzehnte der Innovation bei Apple aufbaut und mit einem revolutionären neuen Eingabesystem und Tausenden von bahnbrechenden Innovationen unglaubliche Erfahrungen für die Nutzer ermöglicht.

Mit Vision Pro möchte Apple die Art und Weise, wie Nutzer ihre Apps und Dienste wahrnehmen und nutzen, grundlegend verändern. Das Gerät erweitert auch die Arbeitsflächen digitaler Dienste, sodass neue Arten des Multitasking ausgelotet werden können.

Prof. Dr. Philipp Rauschnabel, Professor für Digitales Marketing und Medieninnovation an der Universität der Bundeswehr München, erklärt, dass die Grundidee des Headsets darin besteht, dass klassische Monitore irgendwann überflüssig werden. Inhalte sind nicht mehr auf einem Monitor verankert, sondern in der physischen Umgebung. Dadurch können Nutzer quasi ein Browserfenster oder Programme überall platzieren, sei es im Büro oder an einem anderen Ort. Das Gerät ist also im Prinzip nicht gravierend anders als andere Brillen, aber in der Umsetzung deutlich fortschrittlicher und mit einer stärkeren Marke, die die kritische Masse erreichen kann.

Die Vision Pro kann laut Apple jeden Ort in einen Kinosaal verwandeln. Sie bietet hochauflösende 180-Grad-Aufnahmen mit 3D-Audio, sodass die Nutzer sich in diverse Landschaften hineinversetzen können. Die Brille ermöglicht auch das immersive Erleben von FaceTime und ermöglicht das Aufnehmen von Fotos und Videos in 3D. Um all diese Funktionen nutzen zu können, müssen Interessierte jedoch bereit sein, 3.499 US-Dollar zu zahlen.

Die Verfügbarkeit der Vision Pro ist ab dem kommenden Frühjahr in den USA geplant. In weiteren Ländern soll das Gerät im Laufe des Jahres verfügbar sein.

Mit visionOS bringt Apple ein ganz neues Betriebssystem auf den Markt, das den Anforderungen des räumlichen Computings gerecht wird. Dabei verändert sich auch die Art und Weise, wie Nutzer mit Apps und Diensten interagieren. Sie können im dreidimensionalen Raum mit den Fingern scrollen, mit der Stimme diktieren und mit den Augen die Oberflächenbereiche wechseln. Die Innovation EyeSight ermöglicht es den Benutzern weiterhin, mit Personen im Raum zu interagieren, da ihre Augen durch die transparenten Gläser sichtbar sind. Apple verwendet dafür die Apple Vision Pro Micro-OLED-Technologie sowie eigene Apple Chips und ein fortschrittliches 3D-Audiosystem.

Hinsichtlich des Datenschutzes betont Apple, dass Nutzerdaten für Optic ID vollständig verschlüsselt und nicht für Apps zugänglich sind. Die Informationen des Augentrackings werden nicht mit Apple, Drittanbieter-Apps oder Websites geteilt.

Optic ID, das neue Identifizierungsverfahren, das über die Iris der Benutzer genutzt wird, eröffnet allen die Möglichkeit, die Grenzen des Computings neu zu definieren. Es erinnert an Minority Report, wird aber schon bald für alle verfügbar sein.

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